Eine Freundin rief mich neulich an, mitten in der Mittagspause, und die erste Frage war nicht „Wie geht's?" sondern: „Sag mal, brauche ich eigentlich eine Berufsunfähigkeitsversicherung?" Sie arbeitet seit vier Jahren Teilzeit, hat zwei Kinder und ein Einkommen, das bei einer schweren Erkrankung sofort wegbricht. Ihre Frage war gut. Und sie hat mich an etwas erinnert, das ich bei mir selbst lange falsch gemacht habe.
Ich hatte nämlich jahrelang eine Hausratversicherung, die mich 14 Euro im Monat kostete, und keine einzige Police, die mich vor dem eigentlichen GAU geschützt hätte. Als ich dann zum ersten Mal ausrechnete, was passieren würde, wenn ich sechs Monate nicht arbeiten könnte, war die Zahl so unangenehm, dass ich sie tagelang nicht mehr anschauen wollte. Seitdem habe ich eine klare Reihenfolge, die ich im Folgenden mit Ihnen durchgehe – und die nicht nach Versicherungsvertreter klingt, versprochen.
Wichtige Erkenntnisse
- Eine private Haftpflichtversicherung gehört für jede Person dazu – sie ist der einzige echte Grundschutz gegen Schäden, die Sie anderen zufügen.
- Der größte anzunehmende Unfall in Ihrem Leben ist meistens die eigene Arbeitsunfähigkeit, nicht das brennende Sofa. Deshalb steht die Berufsunfähigkeitsversicherung weit oben.
- Polices, die nur kleine Schäden abdecken, sind fast immer Geldverschwendung – Handyversicherung, Reiserücktritt, Brillenversicherung.
- Welche weitere Absicherung Sinn ergibt, hängt stark von Ihrer Lebenssituation ab: Single, Familie, Teilzeit, selbstständig oder Mini-Job.
- Bundesbürger geben im Durchschnitt mehr als 2.000 Euro pro Jahr für Versicherungen aus – und sind trotzdem oft gegen existenzbedrohende Risiken nicht gut gewappnet.
- Prüfen Sie Ihren Schutz einmal im Jahr. Lebenssituationen ändern sich, Policen nicht von allein.
Welche Versicherungen Frauen im Alltag wirklich brauchen – und welche Sie getrost streichen können
Versicherungen sind wichtig. Das klingt banal, ist aber der Satz, an dem die meisten Gespräche scheitern, weil niemand danach fragt, welche denn nun wirklich zählen. Die Verbraucherzentrale bringt es auf den Punkt: Nicht jede Police ist für jede Lebenssituation geeignet. Singles brauchen andere Verträge als Familien. Und der entscheidende Satz, an dem ich mich seit Jahren entlangtaste: Wer sich vor dem Abschluss gut informiert, kann viel Geld und Ärger sparen.
Was in der Praxis fast nie passiert. Ich kenne mehr Frauen, die eine Handyversicherung für 8 Euro pro Monat haben, als Frauen, die eine Berufsunfähigkeitspolice besitzen. Beides ist ein Signal, aber nur eines davon ist ein gutes.
Warum Frauen eine andere Rechnung machen sollten
Hier muss ich kurz ausholen, weil es der Kern ist, der in den meisten Ratgebern fehlt. Frauen arbeiten häufiger Teilzeit, unterbrechen ihre Erwerbsbiografie öfter für Kinder oder Pflege, und sammeln dadurch weniger Jahre in der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente. Das ist kein feministisches Argument, das ist eine Rechnung. Wer 15 Jahre in Teilzeit arbeitet, hat später einen Anspruch, der oft nicht über die Grundsicherung hinausgeht.
Und dann passiert das, was viele unterschätzen: Bei einer längeren Krankheit fällt nicht nur das Einkommen weg – es fällt auch die Altersvorsorge weg, und zwar doppelt, weil man gleichzeitig weniger einzahlt und weniger anspart. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung schließt genau diese Lücke. Deshalb ist sie für Frauen mit Teilzeit oder Erwerbsunterbrechung nicht „nice to have". Sie ist das, was verhindert, dass aus einem Burnout mit vierzig eine dauerhafte Grundsicherung mit siebzig wird.
Ehrlich gesagt: Ich habe das auch erst gerafft, als meine erste BU-Police gekündigt hatte und ich beim Neuabschluss plötzlich angeben musste, was ich in den Zwischenjahren gemacht hatte. Das war der Moment, in dem ich verstanden habe, dass Versicherungen nicht nur Risiken abdecken, sondern auch Lücken dokumentieren.
Welche Versicherungen machen wirklich Sinn?
Die Verbraucherzentrale hat eine Regel, die ich seit Jahren weitererzähle: Versichern Sie immer den „GAU", also den größten anzunehmenden Unfall. Nicht den kleinen Schaden, nicht den Glasschaden, nicht den abhandengekommenen Koffer – sondern die Szenarien, die Sie finanziell umwerfen. Wer dieser Logik folgt, kommt fast automatisch bei einer kurzen Liste heraus.
Die Haftpflicht ist nicht verhandelbar
Eine private Haftpflichtversicherung ist für jeden unverzichtbar. Der Grund ist einfach: Wenn Sie jemandem einen Schaden zufügen – dem Nachbarn mit der heißen Pfanne, dem Passanten mit dem Fahrrad, dem Kind der Freundin beim Spielen – haften Sie unbegrenzt mit Ihrem gesamten Vermögen. Das kann teuer werden, im Extremfall bis zur Existenz. Die Haftpflicht kostet im Jahr oft weniger als ein einziges Abendessen zu zweit und deckt genau dieses Risiko ab. Achten Sie auf ausreichende Deckung – die Verbraucherzentrale empfiehlt sinngemäß, nicht am falschen Ende zu sparen.
Berufsunfähigkeit und Erwerbsminderung
Hier streiten sich die Geister, und ich nehme gern eine klare Position ein: Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist für die meisten Menschen die zweitwichtigste Police nach der Haftpflicht – und ich würde auf dieser Meinung sitzen bleiben, auch wenn mir ein Versicherungsmakler widerspricht. Wer es sich nicht leisten kann, sollte über eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung nachdenken, die etwas günstiger ist, aber nicht den konkreten Beruf, sondern die allgemeine Arbeitsfähigkeit absichert. Beides ist besser als nichts.
Was viele nicht wissen: Es gibt einen gesetzlichen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente, aber der ist so niedrig, dass er allein selten zum Leben reicht. Ich habe das einmal für mich durchgerechnet und kam auf einen Betrag, bei dem ich mir gedacht habe: Na ja, dann lieber Teilzeit und Zuverdienst. Genau deshalb braucht es die private Absicherung.
Welche sind die 4 wichtigsten Versicherungen?
Frau fragt sich ja nicht „welche 20 Policen brauche ich", sondern eher „was ist der Kern". Hier ist meine persönliche Reihenfolge, die ich für mich und für Freunde immer wieder durchgehe. Sie lässt sich in vier Punkten zusammenfassen, und die Reihenfolge ist nicht zufällig.
- Private Haftpflichtversicherung – der Grundschutz gegen Schäden an Dritten. Pflicht für alle.
- Berufsunfähigkeitsversicherung – sichert Ihr Einkommen ab, wenn Sie Ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Besonders wichtig bei Teilzeit, Selbstständigkeit und Erwerbsunterbrechungen.
- Krankenversicherung – in Deutschland gesetzlich Pflicht, in der gesetzlichen oder privaten Variante. Kein optionaler Baustein.
- Pflegeversicherung – ebenfalls gesetzlich vorgeschrieben, als Pflichtbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung enthalten.
Das ist die Basis. Alles, was darüber hinausgeht – Hausrat, Wohngebäude, Rechtsschutz, Kfz-Haftpflicht – hängt davon ab, ob Sie ein Haus besitzen, ein Auto fahren oder eine Wohnung mit wertvollem Inhalt bewohnen. Und dann gibt es noch die Kategorie, die ich als „nice to have, aber nicht nötig" bezeichne: Unfallversicherung, Zahnzusatz, Brillenversicherung, Handytarif-Versicherungen.
Was fehlt, wenn Sie nur die vier haben?
Eine Familie mit Kindern braucht zusätzlich eine Risikolebensversicherung für den Fall, dass ein Elternteil stirbt und Kredite oder das Einkommen des Haushalts wegbricht. Ein Single ohne Kredite braucht sie nicht. Ein Paar, das gerade ein Haus kauft, braucht sie dringend. Das ist genau der Punkt, an dem die individuelle Situation über die Standardliste entscheidet.
| Versicherung | Für wen sinnvoll | Typische Priorität |
|---|---|---|
| Private Haftpflicht | Alle | 1 – nicht verhandelbar |
| Berufsunfähigkeit | Erwerbstätige, besonders Teilzeit und Selbstständige | 2 – Kernabsicherung |
| Kranken- und Pflegeversicherung | Alle (gesetzlich vorgeschrieben) | Pflicht |
| Risikolebensversicherung | Familien, Kreditnehmer, Alleinverdiener | Situationsabhängig |
| Hausratversicherung | Bewohner mit wertvollem Hausrat | Optional |
| Unfallversicherung | Meist verzichtbar, wenn BU besteht | Niedrig |
| Handy-, Brillen-, Reiserücktrittsversicherung | Selten sinnvoll | Streichen |
Welche Versicherungen muss man nicht unbedingt abschließen?
Hier wird es befreiend. Die Verbraucherzentrale bringt es so auf den Punkt: Auf Policen, die nur kleinere Schäden absichern, kann in der Regel verzichtet werden. Das ist keine Kleinigkeit – es ist die Erlaubnis, sich von einem ganzen Stapel Verträge zu verabschieden, die zusammen schnell 30, 40 Euro im Monat kosten und im Zweifel weniger bringen, als sie versprechen.
Welche das konkret sind:
- Handyversicherung – 8 bis 12 Euro pro Monat für einen Schaden, der meistens 100 bis 200 Euro kostet. Rechnen Sie das mal auf drei Jahre hoch.
- Reiserücktrittsversicherung – als Einzelpolice teuer, als Jahresvertrag nur bei mehreren Reisen sinnvoll.
- Brillenversicherung – deckt einen Bruchteil des Brillenpreises, der Rest bleibt bei Ihnen.
- Unfallversicherung als Ersatz für die BU – deckt nur Unfälle, nicht Krankheiten. Die meisten Berufsunfähigkeiten entstehen aber durch Krankheit, nicht durch Unfall. Das ist ein entscheidender Unterschied und wird erstaunlich oft übersehen.
- Sterbegeldversicherung – oft teuer für die Leistung; ein Sparkonto ist in vielen Fällen die flexiblere Alternative.
Ich habe vor zwei Jahren drei solcher Verträge gekündigt und damit rund 25 Euro im Monat freigesetzt. Das Geld ging direkt in meine BU. Für mich war das ein Tausch, der sich gelohnt hat – nicht weil die 25 Euro viel sind, sondern weil sie jetzt an der richtigen Stelle liegen.
Welche Versicherungen braucht man als Familie wirklich?
Als Familie verändert sich die Rechnung gleich doppelt: Es gibt mehr Menschen, die von Ihrem Einkommen abhängen, und oft weniger Einkommen, weil jemand in Teilzeit geht. Genau in dieser Kombination steckt das größte Risiko, das die meisten Familien nicht ausreichend absichern.
Risikolebensversicherung – jenseits der Angst
Eine Risikolebensversicherung ist keine Angstmacherei, sondern eine Rechenaufgabe. Wenn ein Kredit auf dem Haus liegt und ein Elternteil wegfällt, muss der andere die Rate weiterzahlen. Wenn Kinder noch klein sind, muss die Betreuung finanziert werden. Wer diese beiden Punkte in Zahlen ausdrückt, weiß sehr schnell, ob eine Police gebraucht wird oder nicht. Für Alleinerziehende ist sie oft besonders wichtig, weil hier nur ein Einkommen existiert.
Krankentagegeld – nicht nur für Selbstständige
Ein Punkt, der in den meisten Ratgebern fehlt: Wer selbstständig oder freiberuflich arbeitet, hat keinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und auch keine Lohnfortzahlung bei längerer Krankheit. Ein Krankentagegeld füllt diese Lücke. Bei einer Teilzeitbeschäftigung mit zusätzlichem Nebeneinkommen kann das ebenfalls relevant sein, wenn das Nebeneinkommen einen erheblichen Teil des Lebensunterhalts trägt.
Was Familien nicht brauchen
Alles, was für jedes Kind einzeln abgeschlossen wird, ohne dass es ein echtes existenzbedrohendes Risiko abdeckt. Ausbildungsversicherungen, Sparkombis mit Versicherungsmantel, Sterbegeld für Kinder – hier würde ich dreimal hinschauen, bevor ich unterschreibe. Prüfen Sie lieber, ob die Haftpflicht die Kinder mitversichert (das ist meistens der Fall) und ob die BU-Police der Eltern ausreichend hoch ist.
Häufige Fragen, die mir immer wieder gestellt werden
Welche Versicherungen braucht man als Single?
Als Single ohne Kredite und ohne Kinder liegt der Kern bei der privaten Haftpflicht, der Berufsunfähigkeitsversicherung und der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung. Eine Risikolebensversicherung ist meist nicht nötig, weil niemand von Ihrem Einkommen abhängt. Eine Hausratversicherung ist dann sinnvoll, wenn Sie wertvolle Möbel oder Technik besitzen.
Welche Versicherungen braucht man ab 50?
Ab 50 ändert sich vor allem der Fokus: Der Schutz für die Altersvorsorge rückt näher, und die Beiträge für Neuabschlüsse steigen. Wichtig bleibt die Haftpflicht und – sofern noch nicht vorhanden – eine Absicherung der Arbeitskraft, falls Sie noch erwerbstätig sind. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist in diesem Alter oft teurer, aber nicht unmöglich; prüfen Sie die Konditionen genau. Zusätzlich lohnt sich ein Blick auf die Pflegeabsicherung, weil das Risiko mit dem Alter steigt.
Welche Versicherungen gibt es in Deutschland überhaupt?
Die Bandbreite reicht von gesetzlich vorgeschriebenen Versicherungen wie Kranken- und Pflegeversicherung sowie der Kfz-Haftpflicht bis zu freiwilligen Policen wie Haftpflicht, Berufsunfähigkeit, Hausrat, Wohngebäude, Rechtsschutz, Unfall, Risikoleben und diversen Zusatzversicherungen. Die entscheidende Frage ist nicht, welche es gibt, sondern welche davon existenzbedrohende Risiken abdecken – und das sind deutlich weniger, als der Markt anbietet.
Welche Versicherungen braucht man als Rentner?
Im Ruhestand fällt die Berufsunfähigkeit als Risiko weg, weil kein Erwerbseinkommen mehr abzusichern ist. Wichtig bleiben die Haftpflicht, eine bestehende Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung und die Pflegeabsicherung. Eine bestehende Risikolebensversicherung kann oft gekündigt werden, wenn keine Kredite mehr laufen und niemand von Ihrem Einkommen abhängt – prüfen Sie das im Einzelfall.
Was am Ende übrig bleibt
Die Wahrheit ist unromantisch: Die meisten Menschen in diesem Land geben mehr als 2.000 Euro im Jahr für Versicherungen aus – und sind trotzdem nicht gegen den größten anzunehmenden Unfall abgesichert. Das liegt nicht an Dummheit, sondern daran, dass der Markt kleine, leicht verständliche Policen verkauft und die großen, unbequemen Risiken gern im Hintergrund lässt.
Meine Freundin hat am Ende übrigens nicht die BU abgeschlossen, sondern erst einmal ihre drei Kleinstverträge gekündigt und das gesparte Geld in eine Berufsunfähigkeitspolice gesteckt. Sie hat mir später geschrieben, dass sie sich zum ersten Mal seit Jahren nicht mehr schuldig fühlt, wenn sie an ihre Absicherung denkt. Und das, finde ich, ist schon fast der halbe Wert einer guten Police – nicht die Leistung im Schadensfall, sondern das Wissen, dass Sie im Ernstfall nicht allein dastehen.
Fangen Sie mit einer Frage an: Was würde passieren, wenn Sie morgen sechs Monate nicht arbeiten könnten? Wenn Sie darauf keine gute Antwort haben, wissen Sie, wo Sie anfangen sollten.